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2. Bienenweide



Bienen benötigen Blüten als Lebensgrundlage. Nektar und Honigtau liefern Energie, Pollen versorgt sie mit Eiweiß, Fetten und Vitaminen und ist besonders für die Brut entscheidend. Pflanzen, die Nektar, Pollen oder Honigtau bereitstellen, werden als Bienenweidepflanzen bezeichnet, ihre Gesamtheit bildet die Bienenweide. In der Imkerei spricht man von Tracht und Trachtpflanzen („das Getragene“, aus dem Althochdeutschen). Bei Wildbienen wird dieser Begriff selten verwendet - hier bezeichnet man Pollen- und Nektarspender als Nahrungsrequisiten.

Der Bedarf beider Gruppen verdeutlicht die Bedeutung eines vielfältigen und durchgehend blühenden Pflanzenangebots: Ein Honigbienenvolk benötigt jährlich etwa 50 kg Honig sowie 20–30 kg Pollen — das entspricht hunderten Millionen Blütenbesuchen. Wildbienen benötigen je nach Art 50 bis über 100 Blütenbesuche pro Nachkommen. Eine Untersuchung von 41 Wildbienenarten zeigte, dass bei 85 % mehr als 75 Blüten nötig sind, um einen einzigen Nachkommen zu versorgen (Müller et al., 2006). Eine artenreiche, über die gesamte Vegetationsperiode blühende Landschaft ist daher essenziell.

Gemeinsam statt gegeneinander: Mythen und wissenschaftliche Erkenntnisse zur Konkurrenz von Wild- und Honigbienen
Die Diskussion über die Konkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen ist seit langem ein zentrales Thema in der Naturschutzforschung. Konkurrenz besteht dabei grundsätzlich nicht nur zwischen Honig- und Wildbienen, sondern auch zwischen den verschiedenen Wildbienenarten (Deutsche Wildtierstiftungtung, 2024; Mallinger et al., 2017; Westrich, 2019), da sie alle auf Pflanzenpollen zur Versorgung der eigenen Brut angewiesen sind. Der Großteil der Untersuchungen zeigt, dass die Anwesenheit der Honigbiene meist eine neutrale oder negative Auswirkung auf Wildbienen hat. Vor allem bei hohen Dichten an Honigbienenvölkern, die durch die Wanderimkerei und die hohe Beliebtheit der Imkerei in Städten entsteht, kann der Wettbewerb um Nahrungsressourcen verschärft werden (https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nabu/nabu-papiere/240926-standpunkt-honigbienen-naturschutzgebiete.pdf).

Ein vernünftiger Umgang mit der Honigbienendichte wird empfohlen, um mögliche negative Effekte auf Wildbienen zu minimieren, vor allem in ökologisch sensiblen Gebieten wie Naturschutzgebieten. Bei unkontrollierter Wanderimkerei – kann das Risiko bestehen, dass spezialisierte Arten wie die Heidekraut-Herbstsandbiene (Andrena fuscipes) oder Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus) verdrängt werden.. Im Gegensatz dazu zeigt sich bei Monokulturen wie Raps oft, dass die Honigbienen dominieren (Deutsche Wildtierstiftungtung, 2024).

Honigbienen und Wildbienen koexistieren seit Jahrtausenden in natürlichen Ökosysteme. Vermutlich spielt deshalb die Konkurrenz zwischen Bestäuber beim Rückgang der Wildbienen nur eine untergeordnete Rolle: Lebensraumverlust durch intensive Landwirtschaft und Flächenversiegelung, der Einsatz von Pestiziden, ein mangelndes Blühangebot sowie die Folgen des Klimawandels setzen den Populationszahlen stark zu (Habel and Schmitt, 2018; Hallmann et al., 2017; “Wildbienen sind bedroht – und auf Schutz angewiesen,” 2025). Wie der Wildbienenexperte Prof. Dr. Christian Schmid-Egger im Interview betont (Siehe Kapitel XXX, Seite XXX), sind dies die zentralen Herausforderungen für den Erhalt der Wildbienendiversität. Weiterhin besteht die Notwendigkeit differenzierter Forschung, um die Bedingungen und Schwellenwerte zu ermitteln, unter denen Konkurrenzeffekte für Wildbienen problematisch werden. Das bessere Verständnis verschiedener Faktoren ist entscheidend, um gezielte Schutzmaßnahmen und nachhaltige Imkerei-Praktiken zu entwickeln, die das Zusammenleben von Honig- und Wildbienen langfristig ermöglichen. Die Stellungnahme des NABU erklärt hier ausführlich: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/bienen/34670.html

Was braucht die Honigbiene?
Honigbienen benötigen über das Jahr hinweg eine kontinuierlich vielfältige und ergiebige Pflanzenwelt, um ihren enormen Energie- und Pollenbedarf zu decken. Ein einzelnes Volk wächst im Laufe des Jahres von wenigen Tausend Winterbienen zu mehreren Zehntausend Individuen im Sommer heran. Besonders im Frühjahr steigt der Bedarf an Pollen und Nektar rapide an, da die Aufzucht der Brut beginnt. Im Spätsommer liegt der Fokus auf dem Aufbau widerstandsfähiger Winterbienen.

Die Versorgung mit nektar- und pollenreichen Trachtpflanzen ist dabei nicht nur im Zeitraum der Haupttrachten entscheidend, sondern muss während der gesamten Vegetationsperiode gesichert sein, so lange die Bienen fliegen. Besondere Engpässe treten im zeitigen Frühjahr und ab der zweiten Sommerhälfte auf. Während Nektar im Notfall durch Zucker substituiert werden kann, ist der Pollenbedarf nicht künstlich zu ersetzen – sein Mangel schwächt die Abwehrkräfte und die Überlebensfähigkeit des Bienenvolkes. Gerade die Entwicklung langlebiger Winterbienen hängt von ausreichender Pollenversorgung im Spätsommer ab. Für eine optimale Bienenweide empfiehlt sich die gezielte Auswahl von Pflanzenarten, die sich in ihrer Blütezeit ergänzen – zum Beispiel verschiedene Weidenarten im Frühjahr und artenreiche Blühflächen, Zwischenfrüchte, Obstarten sowie große Bäume und Sträucher im Sommer und Herbst. Ein Hektar vielfältige Trachtfläche pro Volk gilt als ideal; Großkronige Gehölze wie Bergahorn und Winterlinde, aber auch Honigtaulieferanten wie Fichten und Tannen sind besonders wertvoll. Die Ergiebigkeit hängt dabei stark von Standort, Pflanzenart und Witterung ab. Auch Honigtau von Pflanzenläusen bietet eine wichtige Nahrungsquelle, vor allem in der zweiten Sommerhälfte, wenn Blüten oft rar sind. So wird durch eine abgestimmte Pflanzenauswahl und die Förderung blühender Vegetationsformen eine nachhaltige Verbesserung der Lebensgrundlagen für Honigbienen gewährleistet.

Was braucht die Wildbiene?
Wildbienen profitieren von einem reichen, kontinuierlichen Angebot heimischer, ungefüllter Blüten wie Klee, Natternkopf, Glockenblumen oder Wilde Möhre. Viele Arten leben nur 4–8 Wochen, weshalb eine lückenfreie Staffelung von Frühjahrs- bis Herbstblühern entscheidend ist. Ein durchgängiges Trachtangebot erhöht die Überlebenschancen vieler Arten erheblich (Paul Westrich and Schwenninger, 1997; Westrich et al., 2008).

Infobox: Rote Liste Wildbienen Ba-Wü
  • 493 Wildbienenarten in Ba-Wü
  • ▻▻ 196 ungefährdet, darunter die Rainfarn-Maskenbiene, Wildbiene des Jahres 2022
  • ▻▻ 297 stehen auf der Roten Liste
  • ▻▻ 13 Arten gelten als ausgestorben
  • Hier geht’s zur Roten Liste Ba-Wü: Hier geht’s zur Roten Liste Baden-Württembergs
Neben Nahrung benötigen Wildbienen geeignete Nistplätze. Rund 300 Arten in Baden-Württemberg nisten im Boden, Totholz oder in markhaltigen Stängeln (Fräßdorf, 2025). Wertvoll sind offene Bodenstellen, lehmige Flächen, Totholz und abgestorbene Stängel von z.B. Disteln, in deren Hohlräumen einige Arten ihre Nistzellen anlegen. Ergänzend können sauber gearbeitete Nisthilfen aus Hartholz, Bambus, Schilf oder Lehmziegeln eingesetzt werden. Splitter oder Risse machen Niströhren unbrauchbar und können die Bienen verletzen.

Für mehr Informationen rund um Nisthilfen: https://www.wildbienen.info/artenschutz/nisthilfen_01.php Die größte Gruppe nistet im Boden; ihre Gänge können zwischen wenigen Zentimetern und bis zu 60 cm tief werden (“Wildbienen: Bauweise des Nestes,” n.d.). Andere Arten nutzen Schneckenhäuser, Stängel oder Vegetationskanten. Ohne passende Nistplätze kann selbst ein reiches Blütenangebot keine Population erhalten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel. Insektizide, Herbizide und Fungizide können nicht nur für Wildbienen, sondern alle Insekten direkt oder indirekt schädigen. Stattdessen sollten ökologische Alternativen und nützlingsfördernde Maßnahmen wie Mischkulturen bevorzugt werden. Vernetzte Lebensräume sind ebenfalls wichtig, da viele Arten nur 100–150 m Flugradius von ihren Nistplatz haben. Blühflächen in Gärten, auf Balkonen, an Wegrändern sowie Hecken aus Weißdorn, Schlehe und Wildrosen verbessern das Nahrungs- und Nisthabitat zusätzlich. Bildungsarbeit in Schulen und Gemeinden stärkt das Bewusstsein für Wildbienen und unterstützt langfristigen Schutz.

Etwa 160 Arten in Baden-Württemberg sind oligolektisch und nutzen den Pollen bestimmter Pflanzenfamilien, Gattungen oder Arten — etwa die Natternkopf-Mauerbiene oder Spargel-Sandbiene. Rund zwei Drittel der Arten, darunter Hummeln und viele Solitärbienen, sind polylektisch, wie z.B. die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis). Auch sie bevorzugen jedoch bestimmte lukrative Blüten, können aber bei Ausfall auf andere Arten ausweichen. Nektar dient im Wesentlichen der Energieversorgung; manche Arten sammeln zusätzlich Blütenöle oder parasitieren andere Bienenarten.

Da viele Wildbienen hoch spezialisiert sind, reagieren sie besonders empfindlich auf Blütenarmut. Eine flächige Mahd oder intensiver Herbizid-Einsatz kann Populationen vollständig vernichten. Abschnitts-, Streifen- oder Mosaikmahd verhindert den kompletten Verlust des Nahrungsangebots. (Grafik für unterschiedliche Mahdtechniken könnte hier noch eingefügt werden) Eine optimale Förderung kombiniert daher Blühflächen mit strukturreichen Nistplätzen und vernetzten Habitaten — zugunsten von Wildbienen wie auch anderer Tiergruppen wie Vögeln oder Kleinsäugern.

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Anlegen einer Bienenweide

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Anlegen einer Bienenweide


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Pflege der Bienenweide

Unsere Wiesen summten einst vor Insektenleben, und Bienen und Schmetterlinge flogen von Blüte zu Blüte. In den letzten Jahren sind unsere Felder jedoch zunehmend still geworden ....

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Blühlücke schließen

Unsere Wiesen summten einst vor Insektenleben, und Bienen und Schmetterlinge flogen von Blüte zu Blüte. In den letzten Jahren sind unsere Felder jedoch zunehmend still geworden ....

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Samenmischungen

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