Honigbienen zählen zu den wichtigsten Bestäubern weltweit. Gemeinsam mit Wildbienen leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen. Diese Bestäubungsleistung wirkt sich direkt auf die Stabilität von Ökosystemen sowie auf die Biodiversität aus. Die Präsenz von Bienen fördert das Blütenangebot in der Landschaft, erhält Nahrungsgrundlagen für andere Insektenarten und trägt zur Strukturvielfalt in landwirtschaftlich genutzten Räumen bei.
Infobox:
- ▻▻ In Baden-Württemberg betreuen etwa 22.000 Imkerinnen und Imker rund 180.000 Bienenvölker.
- ▻▻ Der durchschnittliche Honigertrag pro Volk liegt bei 15–20 Kilogramm pro Jahr (Baden-Württemberg, o. D.).
- ▻▻ Über 95 % des Honigs werden im Rahmen der Direktvermarktung verkauft. Dabei wird die Imkerei überwiegend als Hobby betrieben, im Schnitt besitzt ein Imker acht Völker. Berufsimker machen nur einen kleinen Teil aus.
Neben ihrem ökologischen Wert besitzen Honigbienen eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Ihre Bestäubungsleistung steigert die Erträge zahlreicher Kulturpflanzen wie Obst, Gemüse und Ölsaaten.
Eine weitverbreitete Praxis in Baden-Württemberg ist die sogenannte Wanderimkerei: Imker stellen ihre Bienenvölker gezielt an Orte mit besonderem Blütenangebot. Frühjahrsblüher wie Löwenzahn und Raps sowie Lindenblüten zählen zu wichtigen Trachtquellen. In den Sommermonaten wird der Schwarzwald aufgesucht, um dort den regional bekannten Waldhonig zu ernten.
Die urbane Imkerei verbessert die Bestäubungsleistungen in Städten, indem sie den Frucht- und Samenansatz in Parks, Gärten und auf Dachbegrünungen fördert. Sie stärkt zudem das Umweltbewusstsein, indem sie durch praktische Bildung und Beteiligung das Verständnis für Bestäuber und nachhaltige Ökosysteme vertieft. Imkerinnen und Imker fungieren dabei oft als wichtige Ansprechpersonen in ihrer Gemeinschaft, die auf zentrale Umweltprobleme wie veränderte Blühzeiten, die negativen Auswirkungen der Urbanisierung oder den Klimawandel aufmerksam machen. Darüber hinaus fördert die gemeinschaftliche Imkerei das gesellschaftliche Miteinander, da sie Menschen für gemeinsame Umweltaktionen und die lokale Lebensmittelproduktion zusammenbringt.
Mehr Informationen zur Imkerei in der Region finden sich bei den Landesverbänden:
• www.badische-imker.de
• www.lvwi.de
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass die Haltung von Honigbienen weltweit verbreitet, aber regional sehr unterschiedlich organisiert ist. Laut Dr. Ilka Emmerich (Universität Leipzig, Fakultät Veterinärmedizin) steigt die Zahl gehaltener Honigbienenvölker weltweit seit 1961 kontinuierlich an. Im Jahr 2023 wurden rund 102 Millionen Völker gezählt. Unterschiede bestehen jedoch in der Haltungsform:
„In afrikanischen Staaten werden häufig sogenannte Top Bar Hives verwendet, die Bienenstöcke hängen dort oftmals in Bäumen oder Gestellen. In Europa hingegen dominieren Magazinbeuten, die in der Regel auf Beutenböcken auf dem Boden stehen. Wild- wie Honigbienen sind dabei weltweit mit unterschiedlich starkem Grad an Bebauung, landwirtschaftlicher Nutzung und Blütenverfügbarkeit konfrontiert.“ (“Weltbienentag am 20. Mai,” 2025).
Unabhängig davon, für welches Beutensystem sich ein Imker entscheidet, stehen Honigbienen heutzutage vor großen Herausforderungen. Durch die Globalisierung wurden viele neue Parasiten, Prädatoren und Krankheiten eingeschleppt, die das Leben der Imker erschweren. Aber die Forschung liefert spannende Einblicke, wie die Bienen mit ihren veränderten Lebensbedingungen umgehen.
🐝 Der Klimawandel macht es den Tieren zunehmend schwer. Untersuchungen der Universität Würzburg im Rahmen des LandKlif-Projekts zeigen, dass gerade die Kombination aus Hitze und intensiver Landnutzung die Anzahl und Artenvielfalt der Insekten stark reduziert, in Städten sogar um bis zu 65 %. Besonders belastend sind warme Nächte, ein bislang oft übersehener Faktor. Mischhabitate aus Landwirtschaft und natürlichen Flächen bieten deutlich besseren Schutz (“Heat and land use,” 2025; “LandKlif Project Homepage,” n.d.).
🐝 Auch die Gestaltung unserer Kulturlandschaften spielt eine große Rolle: Bienenvölker fühlen sich dort wohl, wo es statt Massentracht eine bunte Mischung an Blütenpflanzen gibt (Horn et al., 2021).
🐝 Die Qualität der Nahrung ist ebenfalls entscheidend. Aktuelle Studien belegen, dass die Zusammensetzung des Pollens über das Jahr hinweg die Gesundheit und Leistungsfähigkeit eines Volkes maßgeblich beeinflusst (Renner et al., 2021).
🐝 Neue technische Entwicklungen eröffnen zudem faszinierende Möglichkeiten: So lassen sich Varroamilben mithilfe von Hyperspektralbildgebung frühzeitig erkennen und das durch nur vier bestimmte Spektralbereiche (Duma et al., 2024). In Graz hat man sogar ein robotisches KI-System entwickelt, das Bienenköniginnen rund um die Uhr beobachtet. Überraschendes Ergebnis: Selbst in der Nebensaison legen sie bis zu 187 Eier pro Tag (Ulrich et al., 2024).
🐝 Spannend sind auch die Erkenntnisse zu frei lebenden Honigbienen. Forschende konnten zeigen, dass wilde Schwärme im Winter stark eingehen, sich die Population durch Schwärme im Frühjahr aber wieder erstaunlich gut erholen kann (Kohl et al., 2022).
Honigbienen sind sowohl ökologisch als auch ökonomisch von zentraler Bedeutung. Die Imkerei – ob in Baden-Württemberg, weltweit oder im urbanen Raum – trägt wesentlich zur Sicherung von Biodiversität und zur Ernährungssicherung bei. Zugleich steht sie vor komplexen Herausforderungen, die innovative Lösungen und eine wissenschaftlich fundierte Weiterentwicklung erforderlich machen.