Wildbienen sind die unsichtbaren Heldinnen von Natur und Stadt: sie sorgen zusammen mit Honigbienen für beständigen Ertrag in Obstkulturen, machen Städte grüner und artenreicher und sichern so die biologische Vielfalt und die Lebensqualität der Menschen. Besonders in urbanen Räumen spielen Wildbienen als Bestäuber von Apfel- und Kirschblüten eine herausragende Rolle und übernehmen rund 41 % aller Blütenbesuche, was gerade in Zeiten unbeständigen Frühlingswetters wichtig ist. Allerdings zeigt die Forschung, dass eine hohe Dichte an Honigbienenvölkern in Städten Wildbienenarten verdrängen kann, weshalb ein Gleichgewicht und genug Nahrungsangebot für Wild- und Honigbienen wichtig bleibt (Hrmbee, 2023; Weissmann et al., 2021).
Infobox: Wildbienen in Deutschland
- 🐝 Artenvielfalt: In Deutschland leben rund 600 Wildbienenarten (über 490 in BW). Etwa die Hälfte ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht.
- 🐝 Größe: Wildbienen sind unterschiedlich groß – von nur 4 mm (z. B. Maskenbienen Hylaeus spp.) bis über 20 mm (z. B. Blaue Holzbiene Xylocopa violacea).
- 🐝 Lebensweise & Nistplätze:
→ Die meisten Arten leben solitär, das heißt, jedes Weibchen baut und versorgt ihr eigenes Nest.
→ Nistplätze finden sich in Bodenhöhlen, Totholz, Pflanzenstängeln, Lehmwänden oder alten Käfergängen.
→ Nur wenige Arten, wie Hummeln, bilden kleine soziale Völker.
- 🐝 Ernährung: Wildbienen sammeln Pollen und Nektar als Nahrung für ihre Brut.
→ Viele Arten sind spezialisiert (oligolektisch) und besuchen nur bestimmte Pflanzenarten oder -familien.
- 🐝 Ökologische Bedeutung: Wildbienen sind unverzichtbare Bestäuber zahlreicher Wild- und Kulturpflanzen.
→ Ihre Vielfalt stärkt die Stabilität von Ökosystemen und ergänzt die Bestäubungsleistung der Honigbiene.
- 🐝 Bedrohungen: Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft, Pestizide, Klimawandel und Blütenarmut gefährden viele Arten.
→ Auch das Fehlen geeigneter Niststrukturen trägt zum Rückgang bei.
- 🐝 Schutzmaßnahmen: Förderung von blütenreichen Wiesen, strukturreichen Landschaften und insektenfreundlichen Gärten.
→ Bereitstellung von Nisthilfen und Verzicht auf Pestizide.
Klimawandel trifft auch die Wildbienen und insbesondere Hummeln schwer: Zwar sind Hummeln wahre Meisterinnen im Regulieren ihres Nestklimas und halten die Temperatur ihrer Brut stabil bei 28 bis 32 Grad, selbst bei äußeren Schwankungen zwischen 3 und 38 Grad. Doch es kann trotzdem zu Ausfällen bei der Brut kommen und bedroht die Populationen langfristig, wie eine umfassende Literaturstudie über 180 Jahre zeigt (Kevan et al., 2024). Für mehr Informationen zum Rückgang der Wildbienen und dem Kampf der Hummeln, lesen Sie gerne das Interview mit Wildbienenexperte Prof. Dr. Christian Schmid-Egger (Kaptiel XX, S. XX).
Schutzgebiete, naturnahe Blühflächen und vor allem eine vielfältig gestaltete Kulturlandschaften schaffen wichtige Lebensräume für Wildbienen. Monitoring-Projekte in Baden-Württemberg belegen: In solchen Gebieten leben durchschnittlich 14 Wildbienenarten mehr als auf konventionell genutzten Flächen, obwohl sie nur einen kleinen Flächenanteil einnehmen. Besonders effektiv ist dabei die Kombination aus Bio-Landwirtschaft und mehrjährigen, naturbelassenen Blühflächen (“Biodiversity in Baden-Württemberg,” 2025; Czechofsky et al., 2025).
Wildbienen sind nicht nur unentbehrliche Bestäuber, sie sind echte Bioindikatoren. Sie reagieren ebenso wie hohlraum-nistende Wespen besonders sensibel auf Veränderungen in der Landschaft und eignen sich daher für die Beurteilung von Umweltzuständen, wie Untersuchungen in den traditionellen Wiesengebieten Transsylvaniens zeigen (Demeter et al., 2024).
Alarmierend: Aktuelle Studien aus Städten weltweit und auch in Deutschland dokumentieren deutliche Rückgänge der Wildbienenvielfalt. So gingen Wildbienen-Bestände in japanischen Städten in den letzten sechs Jahrzehnten um bis zu 50 % zurück. Diese Erkenntnisse liefern die Grundlage für neue Schutzmaßnahmen und gezielte Programme zum Erhalt wilder Bestäuber, die künftig im Fokus stehen müssen (Mupepele et al., 2025; Nagamitsu et al., 2024).
Neue Bedrohungen wie Umweltverschmutzung, Lichtsmog, Mikroplastik oder Rückstände von Antibiotika beeinträchtigen zudem die Gesundheit der Wildbienen und gefährden deren Leistung für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen (Horton and reporter, 2025; “Microplastics may disrupt pollination, harm bees, other insects, flowers - The Washington Post,” n.d.).
Noch bestehen aber Hoffnung und zahlreiche Möglichkeiten, dem Rückgang entgegenzusteuern: Engagierte Forschung und naturnahe Gestaltung in Stadt und Land beweisen, dass passende Lebensräume viele seltene Arten zurückbringen und einen unverzichtbaren Beitrag zum Naturschutz und zur Erhaltung unseres ökologischen Gleichgewichts leisten.
Die Deutsche Wildtierstiftung engagiert sich seit Jahren intensiv für den Schutz und die Förderung der Wildbienen in urbanen Räumen. Auf den eigens angelegten Blühflächen in Berlin und Hamburg konnten über mehrere Jahre hinweg beeindruckende Erfolge erzielt werden. So wurden in aktuellen Monitoring-Projekten bis zu 178 verschiedene Wildbienenarten nachgewiesen – das entspricht etwa der Hälfte aller in Berlin bekannten Arten. Besonders bemerkenswert sind dabei Funde wie die Wiederentdeckung der seit über 50 Jahren in Berlin als ausgestorben geltenden Bärtigen Kuckuckshummel sowie die Identifikation seltener Arten, die auf der Roten Liste stehen. Diese Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass selbst in stark urbanisierten Gebieten strukturreiche und naturnahe Flächen lebenswichtige Rückzugsräume schaffen können (Dr Christian Schmid-Egger and Rothe, 2022; Wildtierstiftung, 2025).
Die Projekte der Deutschen Wildtierstiftung sind außerdem ein Vorbild für eine gelungene Zusammenarbeit mit Kommunen, Bildungseinrichtungen und der Bevölkerung. So entstanden auf vielfältigen Flächen in den Städten nicht nur Blühwiesen und Nisthilfen, sondern auch naturnahe Schul- und Lehrgärten, die Menschen aller Altersgruppen aktiv in den Schutz der Wildbienen einbinden. Die Stiftung macht damit auf anschauliche Weise deutlich, wie der Erhalt der Wildbienenvielfalt auch im städtischen Alltag möglich ist und welchen hohen Wert diese Tiere für eine nachhaltige, lebenswerte Umwelt für Mensch und Natur haben.
Für mehr Infos lesen Sie gerne unter: www.deutschewildtierstiftung.de.
Parallel dazu laufen seit 2020 in Berlin und seit 2021 in München Untersuchungen in Gemeinschaftsgärten, bei denen Wildbienen, ihre Nahrungspflanzen und klimatische Einflüsse systematisch erfasst werden. Diese standardisierten Erhebungen sind wichtige Bausteine der Stadtökologie, da sie das Zusammenspiel von Biodiversität, Klimafaktoren und urbaner Infrastruktur erforschen. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen, Wildbienenschutz in städtischen Umgebungen gezielt zu fördern und die Lebensbedingungen für die nützlichen Bestäuber weiter zu verbessern (Egerer et al., 2024a, 2024b; Neumann et al., 2024).